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  LITERARISCHES COLLOQUIUM BERLIN
Symposion am 23. und 24. März 2006
Last & Lost. Literatur und Topographie

Der topographische Zugang zu ihren Sujets gehört zu den aufschlussreichsten Tendenzen der zeitgenössischen europäischen Literatur. „Die Welt hinter Dukla“ (Andrzej Stasiuk), „Das letzte Territorium“ (Juri Andruchowytsch) oder „Schutzgebiet Sinistra“ (Ádám Bodor) – schon die Titel dieser Bücher verweisen auf die stark aufs Räumliche gerichteten literarischen Entwürfe heutiger Autoren. Es ist eine Literatur, die sich der Welt der Erscheinungen zuwendet: den Landschaften und Städtebildern, den Ruinen der Zivilisation, den verbotenen Territorien. Das Reisen wird zum wichtigsten Medium der Welterkundung, eine rhapsodisch- essayistische Schreibweise zum Merkmal investigativer Neugier. Mit ihrem Sinn für Schauplätze legen diese Autoren historische Schichten frei und schaffen eine Hermeneutik des Raums. Die theoretischen Anknüpfungspunkte reichen von Herodot bis zu Alexander von Humboldt, von Walter Benjamin bis zu Bruce Chatwin. – Das zweitägige Symposion im Literarischen Colloquium Berlin geht den Phänomenen dieser topographischen Literatur nach. Die eingeladenen Schriftsteller, Journalisten, Geographen und Historiker liefern Beiträge zu vier Themenkreisen und diskutieren die in ihrer Vielfalt einmaligen europäischen Geschichtslandschaften.

Do 23. März 06    
11 Uhr   „Im Raume lesen wir die Zeit“
Lothar Müller: Atlas und Odysseus
Sebastian Lentz: Vom Spurenlesen: Raum wird Landschaft wird Text
Gasan Gusejnov: Russland: Landkarte als Karikatur
14.30 Uhr   Wolfgang Büscher: Vom Glück, verloren zu gehen
Raoul Schrott: Die vierte Welt
Moderation: Manfred Sapper
16 Uhr   Karpatologie
Richard Wagner: Im Karpatenbogen. Topos, Logo und Ideologem
Robert Hász: Letzte Zuflucht Karpatenbecken
Moderation: Thomas Frahm
20 Uhr   „Vor der Tür das Ende der Welt“
Lesung mit Wolfgang Büscher, Raoul Schrott
und Tomas Venclova; Moderation: Ilma Rakusa
     
Fr 24. März 06    
10 Uhr   Städtebilder
Artur Klinau: Sonnenstadt der Träume – Minsk
Tomas Venclova: Vilnius – eine Stadt in Europa
Jurko Prochasko: Lemberg – die Präzision der Utopie
Roswitha Schieb: Breslau – Wrocław– Breslaw. Blinde
Flecken. Fremde Blicke; Moderation: Ingke Brodersen
14 Uhr   Geopoesie
Andrzej Stasiuk: Unterwegs nach Babadag
Lutz Seiler: Das Territorium der Müdigkeit
Serhiy Zhadan: Eine Reise zum ukrainischen
Anarchismus; Moderation: Ilma Rakusa

Literarisches Colloquium Berlin (LCB), Am Sandwerder 5, 14109 Berlin
Projektleitung: Jürgen Jakob Becker
Anmeldung unter Telefon 030-81 69 96 25 oder becker@lcb.de
Eintritt: 5,-/3,- €

© Foto oben: Vesselina Nikolaeva, aus der Serie: End of Europe, 2004-2005
Grenzregion Bulgarien-Türkei
 
 
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